{"id":90,"date":"2023-06-09T21:42:11","date_gmt":"2023-06-09T19:42:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gemeinde-pflanzen.net\/talk\/?p=90"},"modified":"2023-07-08T22:39:39","modified_gmt":"2023-07-08T20:39:39","slug":"transkription-von-aussaat-talk-ep-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gemeinde-pflanzen.net\/talk\/2023\/06\/09\/transkription-von-aussaat-talk-ep-9\/","title":{"rendered":"Transkription von Aussaat \u2013 Talk, Ep. 9"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Dies ist nur eine halb-automatisch erstellte Transkription. Hier sind also durchaus Fehler vorhanden! <a href=\"https:\/\/www.gemeinde-pflanzen.net\/talk\/2023\/06\/09\/der-lange-weg-eines-gemeinde-startups-mit-martin-sinnhuber\/\">Bitte h\u00f6ren Sie in den Originalton hinein<\/a>!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge von Aussaat, Serie Talk, Gespr\u00e4ch, dem Podcast des Netzwerks Gemeindepflanzen, wo es rund um die Themen Gemeindegr\u00fcndung, J\u00fcngerschaft und Evangelisierung geht. Mein Name ist Jonathan Berschauer und ich freue mich, dass du heute wieder mit dabei bist. Um das Thema Gemeindegr\u00fcndung ging es schon einige Folgen in unserem Podcast und deshalb freut es mich umso mehr, heute zu Gast sein zu d\u00fcrfen, bei einem solchen Gemeindestartup. Ich bin nach M\u00fcnster gefahren und mir gegen\u00fcber sitzt ein Priester, der sich an ein solches Projekt herangewagt hat. Er ist schon gut 25 Jahre Priester, wenn ich das richtig in Erinnerung habe und geh\u00f6rt noch mehr Jahre der Gemeinschaft Emmanuel an, nachdem er viele Jahre Gemeindepfarrer war, hat er vor wenigen Jahren in M\u00fcnster das Emmanuel-Haus mitgegr\u00fcndet. Und genau dar\u00fcber m\u00f6chte ich mit ihm heute ins Gespr\u00e4ch kommen. Martin Sinhuber, sch\u00f6n, dass ich hier sein darf.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, ich freue mich auch. Herzlich willkommen in M\u00fcnster.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ja, Martin, ich habe schon am Anfang erw\u00e4hnt, dass du, bevor du das Emmanuel-Haus gegr\u00fcndet hast, viele Jahre normaler Gemeindepfarrer gewesen bist. Wie sah \u00fcberhaupt deine Arbeit damals aus? Und was hat dich letztlich bewogen, neue Wege zu gehen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Also ich habe meine priesterliche Laufbahn genauso angefangen wie alle anderen auch als Kaplan in zwei verschiedenen Gemeinden. Westm\u00fcnsterland, Ostwestfalen und bin dann Pfarrer geworden, zun\u00e4chst in einer kleinen Gemeinde mit zwei Kirchen. Und dann, wie das in vielen Di\u00f6zesen in Deutschland der Fall ist, kam es zur Gemeindefusion, Umstrukturierungen. Und der Bischof hat mich gebeten, Pfarrer zu werden f\u00fcr eine gro\u00dfe, fusionierte Pfarrei aus sieben ehemaligen Einzelgemeinden im Osten der Stadt M\u00fcnster. Das waren damals 20.000 Katholiken, sieben Kinderg\u00e4rten, viele, viele Geb\u00e4ude, die zur Pfarrei geh\u00f6rten. Das Pfarrersein hat mir an sich gro\u00dfe Freude gemacht. Der seelsorgliche Teil darin ist wirklich wunderbar. Man kommt mit vielen Menschen in Kontakt. Die Pfarrei hat viele Ber\u00fchrungsfl\u00e4chen mit dem Stadtviertel, in dem man ist. Das ist alles sehr, sehr sch\u00f6n und das habe ich auch sehr gesch\u00e4tzt. Aber durch diese Fusionierung habe ich gemerkt, dass der Verwaltungsanteil der Organisationsanteil der Arbeit f\u00fcr mich als Pfarrer, als Priester immer gr\u00f6\u00dfer geworden ist.<br>Und dass die Zeit, die geblieben ist f\u00fcr die eigentlich seelsorgliche Arbeit, geschweige denn daf\u00fcr neue Dinge auszuprobieren, immer weniger geworden ist. Und es hat in mir einen \u00dcberlegensprozess angesto\u00dfen. Das war im Jahr 2013, 2014. Und irgendwann habe ich dann eine Sabbatzeit gemacht und da eigentlich fing das an, dass ich gemerkt habe, es kommen hierdoch f\u00fcr mich sehr wesentliche Themen unter die R\u00e4der, wenn ich das so weitermache. Die ganze missionarische Dimension. Ich habe immer Spa\u00df daran gehabt, einfach rauszugehen, mit den Leuten zu sprechen. Und diese ganze Verwaltungsarbeit hat einfach immer mehr Energie und Zeit gefressen. Und dann fingen langsam, langsam Gespr\u00e4che an mit dem Bischof. Ich habe ihm einfach erz\u00e4hlt, auch wie es mir geht damit. Da war ich ja nicht der Einzige, das hat er auch von anderen Seiten geh\u00f6rt, so \u00e4hnlich.<br>Dann ist so nach und nach eigentlich auch mit Leuten aus unserer Gemeinschaft die Frage entstanden, was k\u00f6nnten wir denn alternativ machen? Und so ist eigentlich die Idee entstanden, das war am Anfang ja nicht jetzt gleich, wir fangen eine neue Gemeinde an, sondern es war eher so, wie k\u00f6nnen wir das, was wir als Gemeinschaft in die Kirche mitbringen? Die Gemeinschaft Emmanuel ist ja eine von vielen neuen geistlichen Gemeinschaften aus Frankreich. Wie k\u00f6nnen wir das der Kirche vor Ort vielleicht besser zur Verf\u00fcgung stellen, als im Rahmen einer strukturierten Pfarrei? Und dar\u00fcber haben wir mit dem Bischof viele, viele Gespr\u00e4che gef\u00fchrt und daraus sind dann die Anf\u00e4nge des Emmanuelhaus geworden.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ja, viele Priester berichten ja von \u00e4hnlichen Erfahrungen, dass es oft, ja, irgendwie in der Form nicht mehr weitergehen kann, so als normaler, ja, Gemeinde-Pfarrer, Gemeinde-Priester, weil viele doch den Eindruck haben, dass auch die aktuelle Territorialseelsorge, auf die Spitze getrieben, schon manchmal fast ihre priesterliche Berufung zerst\u00f6rt. Es gibt immer wieder solche Stimmen, die dann auch entsprechende B\u00fccher ver\u00f6ffentlichen. Glaubst du, dass solche Gemeinde-Neugr\u00fcndungen, neben den bestehenden Strukturen, vielleicht dazu beitragen k\u00f6nnen, dass Priester letztlich wieder mehr Priester sein k\u00f6nnen und warum ist es vielleicht besser etwas Neues zu gr\u00fcnden als bestehende Strukturen zu reformieren?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ob es am Ende besser ist, muss sich ja noch zeigen. Ich finde es nur wert, dass es probiert wird. Der Versuch, eine bestehende Gemeinde auch zu erneuern, das ist ja, auch das kann sehr sch\u00f6n sein. Ich w\u00fcrde sagen, das haben wir an vielen Stellen auch versucht. Aber, wie soll ich das sagen, am Ende ist eben doch die Struktur einer Pfarrei in Deutschland sehr, ich habe es manchmal als starr empfunden. Es ist schwer f\u00fcr neue Leute irgendwie mit dazu zu kommen. Man ist so sehr in einem System drin, das aufrecht erhalten wird. Ich kann nur sagen, ich habe es f\u00fcr mich f\u00fcr richtig empfunden, da mal rauszugehen aus dieser bestehenden Struktur, aus diesem System und die Freiheit zu haben, etwas Neues zu probieren. Ich bin jetzt seit gut vier Jahren ja da dabei und kann sagen, meine Arbeit hat sich total ver\u00e4ndert. Sie ist jetzt viel mehr fokussiert auf das, ja gar nicht mal nur sehesorglich. Nat\u00fcrlich habe viele Einzelgespr\u00e4che, Begleitungen, aber das, was unser Angebot ist, ist, hat stark im Fokus, wie Menschen in eine Beziehung mit Gott gebracht werden und wie sie darin wachsen k\u00f6nnen. Und das sehe ich als eine zentralpriesterliche Aufgabe. Und das, was sehr sch\u00f6n ist, ist letztlich das, was uns ja auch erf\u00fcllt in unsere m Dienst. Hei\u00dft nicht, dass nicht auch organisatorische Teile mit dabei sind. Das ist ja auch wichtig. Ja, auch ein Hirte sitzt nicht nur neben seinen Schafen auf der Weide und schl\u00e4ft am Baum, an den Baum gelehnt, so dieses kleine Idealbild, sondern der organisiert auch, wo sind die n\u00e4chsten Weidepl\u00e4tze und wo habe ich einen Stall, wo sie unterkommen k\u00f6nnen. Das geh\u00f6rt auch mit dazu. Aber ja, ich sehe eine gewisse Gefahr darin f\u00fcr diejenigen, die heute Priester werden, in diesen immer gr\u00f6\u00dfer werdenden Einheiten, noch das zu leben, was ihnen vielleicht, was sie urspr\u00fcnglich auf diesen Weg gebracht hat.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Du hast nach deiner Zeit, als Pfarrer zun\u00e4chst auch eine dreij\u00e4hrige Inspirationszeit gehabt, soweit ich das noch im Kopf habe, wo du unter anderem in Wien eben bei der Gemeinschaft Emmanuel gewesen bist, in den USA, auch bei der Saddleback-Church. Ich glaube, das habe ich noch richtig in Erinnerung. London, Rick Thope, einer der letzten Podcast-Serien, hast du auch noch kennengelernt und Philippinen. Was f\u00fcr Erkenntnisse hast du von dieser Zeit f\u00fcr dich mitgenommen, die dir vielleicht auch bei dem heutigen Gemeindeaufbau mithelfen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Also das war jeweils sehr unterschiedlich. Tats\u00e4chlich diese Erfahrungen, die du angesprochen hast, die habe ich mir angesehen, auf verschiedenen Wegen, hat die Gelegenheit dazu, diese Gemeinden zu besuchen und kennenzulernen, was die machen. Saddleback-Church in Kalifornien ist ja eine Freikirche, Rick Warren, der die gegr\u00fcndet hat. Und f\u00fcr den, also wenn ich mich, das ist jetzt schon ein paar Jahre her, zehn Jahre her, aber das, was da beeindruckend war, ist, da kommen an jedem Sonntag in eine gro\u00dfe Halle 3000 Leute zum Gottesdienst mit sehr zeitgem\u00e4\u00dfer Musik, langer Predigt, auf Screens kann man verfolgen, was er sagt. Es gibt immer eine kurze Bibelarbeit f\u00fcr alle, die da sind.<br>Wir haben dann hinterher die Gelegenheit gehabt mit unserer Gruppe, mit ihm zu sprechen. Und er hat gesagt, f\u00fcr ihn ist das Schlagwort Church for Unchurched People. Also sein, bei allem, was er tut, versucht er, Kirche zu bilden f\u00fcr Leute, die bisher nirgends in der Kirche einen Platz gefunden haben oder beheimatet sind. Das habe ich wirklich von dort mitgenommen. Das flie\u00dft auch in unsere Arbeit ein. Also Leute, die sich eben nicht so leicht tun in einer Pfarrstruktur, in einen Verband oder Verein oder \u00fcber einen Kindergarten zu kommen, aber die trotzdem eine Beheimatung suchen in der Kirche. Church for Unchurched People, also die auch vielleicht mit den g\u00e4ngigen Liturgieformen nicht sofort was anfangen k\u00f6nnen, sondern andere Anwege brauchen. Ich meine, in der Freikirche besteht so ein Gottesdienst vor allem aus Musik und einer langen Predigt, aber es ist leicht f\u00fcr die Leute dabei zu sein.<br>Dieser Rick Warren hat sich an jedem Sonntag vor seiner Kirche, in Anf\u00fchrungszeichen, seine Halle gestellt und hat fast jeden, also so viele er konnte, mit einer Umarmung begr\u00fc\u00dft und hat uns dann erz\u00e4hlt hinterher, er kriegt R\u00fcckmeldungen von manchen Leuten, die da in den Gottesdienst kommen, ist das die einzige k\u00f6rperliche Ber\u00fchrung der Woche. Und das ist ihm einfach wichtig, diese N\u00e4he zu den Menschen zu zeigen. Er ist dann also auch nicht der gro\u00dfe Pastor, der nur auf der gro\u00dfen B\u00fchne erscheint, sondern er ganz nah bei den Menschen ist. Das habe ich aus Kalifornien mitgenommen.<br>Aus den Philippinen. Das ist nat\u00fcrlich ein eher katholischer Kontext, aber ganz anders als bei uns. 85 Prozent der philippinischen Bev\u00f6lkerung, glaube ich, wenn ich es richtig in Erinnerung habe, sind katholisch. Gro\u00dfe katholische Gemeinden, sehr klassisch eigentlich von dem, was an Programm passiert, aber die haben diese kleinen Zellen, kleine Glaubensgemeinschaften, die nennen das Basic Ecclesial Communities.<br>Und da haben wir eine Pfarrei in Manila erlebt, die in einem Stadtviertel war, wo es nicht mal richtige Stra\u00dfen gab. Also das k\u00f6nnen wir uns kaum vorstellen. Da sind eher so Erdwege. Und es gibt in Manila ja regelm\u00e4\u00dfig diese gro\u00dfen Taifune &#8211; Regenzeit, mehrere Wochen lang, wo alles eigentlich \u00fcberschwemmt ist -, wo diese Wege gar nicht mehr benutzbar sind. Und diese Gemeinde zum Beispiel hat sich leiten lassen von der Frage, f\u00fcr wen sind wir Kirche? Und was k\u00f6nnen wir als Kirche in dem Stadtviertel, in dem wir sind, vielleicht beitragen, damit das Leben der Menschen verbessert wird? Und die haben sich zur Aufgabe gemacht, diese Feldwege zu teeren. Und diese Frage fand ich eigentlich hervorragend, ja. Also nicht sich nur um sich selbst zu drehen und sich dann zu besch\u00e4ftigen mit innerkirchlichen Themen, sondern: F\u00fcr wen sind wir Kirche? Und was k\u00f6nnen wir vielleicht in der Gesellschaft, in der Stadt, in der wir sind? Was k\u00f6nnte unser Beitrag sein, um einer Not abzuhelfen, um etwas f\u00fcr die Menschen zu tun?<br>Das, finde ich, hat zentral mit christlichem Zeugnis zu tun. Und ja, das war dort so ein, auf den Philippinen, ein Lerngewinn f\u00fcr mich und in London nat\u00fcrlich, da bin ich schon mehrmals gewesen, das ist ja eine anglikanische Gemeinde, Holy Trinity Brompton Church, wo die Alpha-Kurse herkommen, die vielen auch bekannt sind. Ja, da kann man unglaublich viel lernen, was auch dann konkreten Gemeindeaufbau anbelangt, was wir jetzt dann auf unserem Weg mit dem Emmanuel-Haus eigentlich, muss man sagen, auch mehr und mehr gefunden haben. Am Anfang war das mehr ein Projekt, ein missionarisches Projekt und dann haben wir doch gemerkt, vielleicht geht es darum, auch mal neue Form, eine alternative Form von Gemeindeaufbau, zu versuchen, die eben nicht territorial ist, die nicht durch einen Bezugspunkt wie die Uni oder ein Kloster definiert ist, sondern die sich durch ihr Angebot definiert. Und die Menschen anzieht, die das suchen, die Spiritualit\u00e4t suchen, die Dazugeh\u00f6rigkeit suchen, die sie woanders nicht gefunden haben. Ja, und da ist die Gemeinde in London ein riesiges Vorbild, weil die mittlerweile ein so differenziertes Angebot haben, Menschen von sehr weit drau\u00dfen, w\u00fcrde ich mal sagen, abzuholen und sie mit auf einen Weg zu nehmen und ihnen an ganz unterschiedlichen Etappen Nahrung anbieten, wie sie weiter wachsen k\u00f6nnen und ihnen helfen, dass sie sich einbringen k\u00f6nnen mit dem, was sie mitbringen. Also da kann man sehr, sehr viel lernen in der Gemeinde.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ja, 2014 hast du, glaube ich, das erste Mal mit deinem Bischof dar\u00fcber geredet, etwas Neues starten zu k\u00f6nnen. Lief das alles einfach so durch oder ist das letztlich eher so eine Gedulds\u00fcbung? Also gibt es da auch im jetzigen System sehr starke Beharrungskr\u00e4fte, wie sah es da aus?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das lief nicht durch. Nein. Das hat viele Gespr\u00e4che gekostet und schlussendlich hat er erst beim dritten Anlauf dann auch wirklich ja gesagt. Also ich verstehe ja auch die Perspektive eines Bischofs, der gro\u00dfe Not hat in der Fl\u00e4che seine Pastoral zu organisieren. Und nat\u00fcrlich vor allem ein Interesse daran hat, seine Pfarreien zu besetzen. Und ich war nun Pfarrer und er h\u00e4tte mich, glaube ich, auch gerne einfach weiter in der Pfarrei gesehen. Und nach meinem Eindruck ist in der Di\u00f6zese M\u00fcnster, hat auch ein Umdenken stattgefunden oder da sind wir noch mittendrin, dass langsam eine Bereitschaft w\u00e4chst, neben dem Bestehenden auch Neues auszuprobieren. Seit dem Jahr 2018 ein Papier gegeben, Kulturwandel im Bistum M\u00fcnster, da ist eben an verschiedenen Stellen die Rede davon, dass wir mutiger auch Experimente wagen sollen, auch in der Form der Gemeindebildung.<br>Und da haben wir uns gedacht, ja, das ist doch genau das, was wir wollen. Und schlussendlich war es auch dann im Jahr 2018 im Fr\u00fchjahr, als ich aus Wien zur\u00fcck, bin ich im Sommer aus Wien zur\u00fcckgekommen. Und da waren die entscheidenden Gespr\u00e4che dann mit Bischof Felix in M\u00fcnster, wo er eigentlich im dritten Anlauf dann gesagt hat, ja, probiert das mal. Er hat mich dann nicht gleich zu 100 Prozent daf\u00fcr freigegeben, aber zu 50 Prozent, war dann noch mit in einer Pfarrei als Subsidiar oder erst mit 50 Prozent dann als Subsidiar. Und dann irgendwann nach den ersten Etappen, die wir gegangen sind und wo wir gemerkt haben, jetzt entsteht auch etwas, es braucht mehr Arbeitskraft und mehr Zeit, hat er mich dann auch ganz daf\u00fcr freigegeben.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Also du siehst ein bisschen, Entwicklung scheint es schon zu geben, aber wenn du jetzt mal auch, vielleicht hast du schon ein paar auch j\u00fcngere Leute, so einen pastoralen Kontext kennengelernt, hast du den Eindruck, dass da vielleicht mehr noch besser w\u00e4re? Also nicht nur, ich sag jetzt mal, ein Erlauben erm\u00f6glichen, sondern vielleicht irgendwann, wo es auch um ein gezieltes Wollen von Bistumsseite geht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das w\u00fcrde ich mir w\u00fcnschen, dass das entsteht noch mehr. Also erstmal sind wir froh und dankbar, dass es erm\u00f6glicht wird, aber nat\u00fcrlich, wenn es, irgendwann geht es ja auch darum, welche Ressourcen stecken wir in solche Neuaufbr\u00fcche. Da ist schon etwas da, aber wenn man ein bisschen sich umschaut, auch in andere Di\u00f6zesen oder andere L\u00e4nder, dann sehe ich zumindest, dass andere da mutiger rein investieren. In London eben, wovon wir gerade sprachen, hat man sich, ich glaube, 2013 bewusst f\u00fcr diese Mixed Economy, wie sie das genannt haben, entschieden, also zu sagen, nat\u00fcrlich m\u00fcssen wir die Pferreien weiter versorgen, aber wir setzen Mittel frei, personelle Ressourcen, finanzielle Ressourcen, um neue Ausdrucksformen von Kirche, wie sie das genannt haben, zu f\u00f6rdern und zu erm\u00f6glichen. Und zwar wirklich mit einer Investition da rein. Und das w\u00fcnsche ich mir noch mutiger. Vielleicht m\u00fcssen die, die verantwortlich sind f\u00fcr die Finanzen, auch irgendwie Anhaltspunkte bekommen, dass es sich lohnt. Das verstehe ich ja sogar. Aber da hoffe ich, sind wir auf einem Weg, dass das irgendwann auch gesehen wird. Und man sagt, ja, da lohnt es sich, rein zu investieren, weil das vielleicht Menschen wieder mit Glaube und Kirche in Verbindung bringt, die wir auf den herk\u00f6mmlichen Wegen nicht mehr erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Bei unserem Vorgespr\u00e4ch haben wir auch \u00fcber das Thema Leitung gesprochen, die ihr ja versucht, diese ein bisschen auf mehrere Schultern zu verteilen. Kannst du uns vielleicht mal kurz einen Einblick geben, wie so dieser, ich habe es so verstanden, als geistlicher Prozess, wie dieser Prozess aussieht, vielleicht auch im konkreten Beispiel: Wie gestaltet ihr eure Visions- und Zielarbeit? Vielleicht kann man es daran am besten deutlich machen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Also wir sind ein Team f\u00fcr dieses Start-up, also ich bin als Pastor da drin. Es sind noch zwei andere Priester mit im Team, die aber das in ihrer Freizeit machen. Die haben andere Aufgaben und wir machen das sozusagen ehrenamtlich mit. Dann gibt es einen weiteren Vollzeitmitarbeiter und es gibt ein Ehepaar und eine ledige Frau, die eine geweihte Schwester in unserer Gemeinschaft ist. Wir bilden das Leitungsteam f\u00fcr diese Gemeinde Neugr\u00fcndung, wenn man so m\u00f6chte. Und bei uns in der Gemeinschaft Emmanuel ist es eigentlich \u00fcblich, gr\u00f6\u00dferen Projekte und Missionen von Teams geleitet werden, in der die verschiedenen Lebensformen miteinander sind. Also wo jetzt eben nicht nur Priester sind oder auch nur Familien oder so und noch M\u00f6glichkeit versucht man das gut zu mischen, damit sich das erg\u00e4nzt gegenseitig aus den verschiedenen Perspektiven. Und bei uns im Team spielt eine gro\u00dfe Rolle, dass wir eine gemeinsame geistliche Basis haben, eine Berufung. Wir beten zusammen, wir machen Lobpreis zusammen. Wir versuchen hinzuh\u00f6ren, was Gott uns zeigt, wo es hingeht. Wir sind zum Beispiel ganz am Anfang mal einen Nachmittag durch die Stadt gegangen, immer zu zweit, und haben gebetet dabei und wollten einfach die Stadt wahrnehmen, was begegnet uns hier und wo \u00f6ffnet uns Gott vielleicht T\u00fcren, wo es hingehen k\u00f6nnte. Und dann haben wir uns getroffen nach zwei Stunden oder so und haben uns ausgetauscht \u00fcber das, was wir wahrgenommen haben. Also solche Formen sind f\u00fcr uns jetzt etwas ganz Normales.<br>Weil wir alle versuchen, auch in unserem pers\u00f6nlichen t\u00e4glichen Leben auf den Heiligen Geist zu h\u00f6ren und uns f\u00fchren zu lassen. Das erkennt man mal besser und mal braucht es etwas l\u00e4nger, bis wir das raush\u00f6ren. Aber das ist ja normal. Ja, und in diesem Team ist sozusagen die Vision entstanden: Wir wollen gerne eine neue Gemeinde gr\u00fcnden, die verschiedene Grundpfeiler hat, die nat\u00fcrlich sehr eng mit dem Charisma unserer Gemeinschaft auch zusammenh\u00e4ngen, also \u00fcberhaupt erst mal eine lebendige Gemeinschaft zu bilden, Leben miteinander zu teilen. Wir haben in dem ersten Jahr uns jede Woche gesehen, ganz lange miteinander gegessen und im Keller zusammengesessen und Ideen gesponnen, Tr\u00e4ume gesponnen, also lebendige Gemeinschaft zu bilden. Das Gebet, habe ich schon gesagt, Prayer, Compassion, Mission. Das sind so unsere gro\u00dfen Pfeiler, auf denen das Ganze ruhen soll. Also Compassion steht f\u00fcr alles, was man so vielleicht unter Gastfreundschaft, also Menschen zu empfangen, so wie sie sind, Mitgef\u00fchl f\u00fcr Lebenssituationen, unsere moderne Welt bringt so viele, leider auch so viele Br\u00fcche ja im Leben hervor. Und schmerzhafte Situationen. Und das nicht zuerst mit einem belehrenden oder verurteilenden Blick zu sehen, sondern mit einem Mitgef\u00fchl. Das kennzeichnet, glaube ich, die Spiritualit\u00e4t unserer Gemeinschaft, auch von ihren urspr\u00fcngenden Frankreich her, vom Herzen Jesu in Parelemonial, also dieses mitf\u00fchlende Herz f\u00fcr die Menschen zu haben und das auch einen Ausdruck findet und dann nat\u00fcrlich die Mission, also Mission in einem guten Sinne verstanden, anderen zu erz\u00e4hlen, was uns Lebensreichtum geworden ist, was unser Leben tr\u00e4gt. Und das versuchen wir im Team zusammen. Also das ist dort entstanden. Und das ist ja nicht einmal fertig. Daraus ist eine gro\u00dfe Richtung geworden, in die wir losgegangen sind. Und immer wieder nehmen wir uns Zeit, zum Beispiel jetzt im Juli wieder f\u00fcr einen Teamtag, wo wir dann weiter an sowas arbeiten. Wo stehen wir im Blick auf diese Vision, was muss vielleicht neu in den Blick genommen werden, was muss anders formuliert werden, erg\u00e4nzt werden aus dem, was wir inzwischen erlebt haben. Also so entsteht das. Und da ist dieses Team, w\u00fcrde ich mal sagen, so der innerste Kreis, wo das sehr h\u00e4ufig auch sehr regelm\u00e4\u00dfig besprochen wird. Und mittlerweile haben ja bei uns verschiedene Leute angedockt, die sich auch mit einbringen wollen. Und wir haben bis jetzt immer so einmal oder zweimal im Jahr, das nennen wir Visionstreffen, wo wir dann 30, 40 Personen eingeladen haben dazu, die dann aus ihrer Sicht auch sagen, wie erleben wir denn das, was bis jetzt entsteht? Und beim letzten Mal haben wir es bewusst so gemacht, dass auch jeder eine Zeit bekommen hat am Mikrofon, kurz zu sagen, aus meiner Sicht ist das wichtig. Und das wurde geh\u00f6rt, nacheinander, da war immer kurze stille Momente, das wirken zu lassen, was habe ich jetzt f\u00fcr mich pers\u00f6nlich daraus geh\u00f6rt, was die andere Person gesagt hat. Und dann haben wir uns in kleinen Runden getroffen. Daraus sind dann drei Schwerpunkte f\u00fcr das kommende Arbeitsjahr geworden. Also so versuchen wir zu arbeiten, andere mit in unsere Vision hineinzunehmen, aber ihnen auch teilzugeben an dem, wie es dann weitergeht. So w\u00fcrde ich das beschreiben.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Du hast ja schon aus der ganzen Weltkirche erz\u00e4hlt, dass du da viel kennengelernt hast. Kann man sagen, dass es so eine Art Erfolgsbausteine gibt, die man vielleicht immer wieder irgendwo in der Welt antrifft und wenn ja, was sind vielleicht solche Dinge, wo du sagst, ah, die m\u00f6chte ich jetzt hier in M\u00fcnster versuchen von diesen Bausteinen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Gibt es, glaube ich, also es gibt so Elemente, die man \u00fcberall wiederfindet, wo Gemeinden lebendig sind und wachsen. Das ist ja f\u00fcr uns in der katholischen Gerche fast fremd geworden, wo wir immer nur die Verkleinerung irgendwie verwalten und versuchen zu handeln. Und es gibt wirklich christliche Gemeinden, die wachsen, auch im katholischen Bereich. Also was ich so wahrgenommen habe, ist eine Willkommenskultur. Eine lebendige Willkommenskultur. Also dass Menschen in der Pfarrei daran liegt, andere zu empfangen, dass sie sich wohlf\u00fchlen und dass sie da auch wirklich rein investieren, auch finanzielle Mittel. In Kalifornien habe ich auch eine katholische Gemeinde kennengelernt, in Santa Monika. Da gab es allein 100 Leute, die Willkommensdienst machen, die darin geschult werden. Das war unglaublich. Wir waren auch mit einer Gruppe dort, die einen ganz wachen Blick daf\u00fcr hatten, unsere G\u00e4ste sind sie jetzt mit allem gut versorgt, steht genug zu trinken da. Also ganz einfache Dinge geht es den Leuten gut, die wir hier jetzt bei uns empfangen.<br>Das kann man auch in Deutschland versuchen, in, das habe ich auch in den Pfarreien versucht, in denen ich war, das ist auch hier und da, gab es da gute Ans\u00e4tze, aber das ist zum Beispiel ein Element, was man \u00fcberall findet. Eine echt gepflegte Willkommenskultur. Ein zweites Element sind die in irgendeiner Form kleine Gruppen. Hauskreise, Zellgruppen, diese Basic-Ecclesial-Communities, wie immer man das nennt. Kleine Gruppen von acht bis zehn, zw\u00f6lf Personen, die intensiver einen Weg miteinander gehen. Eigentlich fast \u00fcberall, wo ich war, ging es darum, zusammen in der Bibel zu lesen, eigene Leben mit ins Spiel zu bringen, Leben und Glauben zu teilen oder auch die Suche im Glauben, miteinander zu beten und wenn es geht, vielleicht auch sich gemeinsam in irgendeiner Form zu engagieren, entweder in der Gemeinde oder in einem Projekt, wie eben dein Manila zum Beispiel f\u00fcr diesen Stra\u00dfenbau. Das ist, glaube ich, ein wesentliches Merkmal und vielleicht ein drittes noch, dass die Liturgie, was f\u00fcr uns katholischerseits Liturgie ist, also was auch den Sonntag kennt, eine Sonntagskultur \u00fcbrigens, haben eigentlich auch alle diese Gemeinden. Auch die Freikirchen, auch wenn sie jetzt nicht \u00e4u\u00dfere Stieffallen, wie wir das gewohnt sind, aber dass die Liturgie der Gottesdienst, der am Sonntag dann doch die gr\u00f6\u00dfere Gemeinde versammelt, dass der lebensrelevant ist, dass das Leben der Leute davorkommt, dass es Elemente gibt, wo sie sich beteiligen k\u00f6nnen mit ihrem pers\u00f6nlichen Beten, dass Formen des Lobpreises, wie auch immer, das muss ja nicht immer der abgefahrenen charismatischen Variante sein, aber dass man das Gef\u00fchl hat, wir loben jetzt Gott und wir danken ihm, weil er unser Sch\u00f6pfer ist und weil er f\u00fcr uns da ist und mit uns geht, das war so greifbar in diesen Gemeinden.<br>Ja, und vielleicht auch von der Leitungsform diese gegenseitige Erg\u00e4nzung von mehreren. Das ist selten jetzt so, naja, auf den Philippinen muss ich ehrlicherweise sagen, die haben schon auch noch ein sehr traditionelles Priesterbild, aber in vielen anderen Gemeinden, obwohl auch da spielte das Team drumherum eine gro\u00dfe Rolle. Also die gegenseitige Erg\u00e4nzung, dass sich ernst nehmen in den verschiedenen Charismen, die man einbringt, auch in ein Leitungsteam. Also es gibt ja im Epheserbrief diese sch\u00f6ne Stelle, also zum Gemeindeaufbau, die einen sind zum Apostelamt berufen, die anderen, zum Hirten, wieder andere zum Lehrer, zum Evangelisten, so, also es braucht ja die verschiedenen Charismen, um Gemeinde aufzubauen, die m\u00fcssen auch ihren Platz bekommen in Eigenverantwortung. Und das kennzeichnet, glaube ich, auch die wachsenden Gemeinden, dass das ernst genommen wird. Und dass man gelernt hat, aufeinander zu h\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wenn du dir das Emmanuel-Haus zurzeit anschaust, immer noch sehr jung und sicherlich auch mit vielen Herausforderungen, auf welche Erfolge, auf welches Wachstum schaust du heute mit Dankbarkeit?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Also wir sind gestartet 2018, dieses erste Jahr war im Grunde eine wirklich so eine Visionsfindung. 2019 fing es \u00fcberhaupt an nach drau\u00dfen. Das ist \u00fcberhaupt Angebote gab. Das sind jetzt also bald vier Jahre. Genau. Wir haben angefangen mit einem w\u00f6chentlichen Gebetshabend am Donnerstag, also bewusst nicht mit einer Eucharistie am Sonntag, sondern erstmal ein Angebot, was leicht zug\u00e4nglich ist, wo man nicht zehn Vorkenntnisse \u00fcber den Ablauf der Liturgie haben muss und was da eigentlich gefeiert wird, sondern wo erstmal jeder dazukommen kann, wo sch\u00f6ne Musik ist, sch\u00f6ne Atmosph\u00e4re.<br>Und das gibt es bis heute. Es ist dann sp\u00e4ter die Sonntagsmesse dazugekommen. Wir haben Alpha-Kurse gemacht, also zum Beispiel eine Frucht, die man sehen kann, ist, dass aus dem haben sich vier Hauskreise gebildet. Also diese kleinen Gruppen, drei f\u00fcr eher j\u00fcngere Leute und eine f\u00fcr jetzt die, die nicht mehr im Studentenalter sind. Das ist zum Beispiel eine sch\u00f6ne Frucht, wo auch jedes Jahr, wir \u00f6ffnen das eigentlich sogar jedes Semester wieder, dass man neu dazukommen kann oder ausscheiden kann, wenn man m\u00f6chte. Und es kommen immer wieder neue Leute dazu. Das ist sehr sch\u00f6n zu sehen und das sind ja wirklich Menschen, die eben, wie ich vorhin gesagt habe, \u00fcber diese Hauskreise, die intensiver ihren Weg der Nachfolge leben wollen.<br>Wir haben inzwischen f\u00fcr die verschiedenen Initiativen, die es so gibt, also diesen Gebetsabend, die Alpha-Kurse, Angebote f\u00fcr Paare. Daf\u00fcr gibt es verschiedene Unterteams. Wir haben also ungef\u00e4hr, wir haben jetzt gerade, arbeiten gerade daran, ein Dankfest f\u00fcr die Freiwilligen zu organisieren vor dem Sommer. Da werden \u00fcber 60 Leute eingeladen, die schon an irgendeiner Stelle sich jetzt mit engagieren und sagen, ich m\u00f6chte verbindlicher in diesem Gemeindeaufbau meinen Platz finden. Das ist sehr sch\u00f6n nach dreieinhalb Jahren, das zu sehen. Das macht mich dankbar. Und wir sind letztes Jahr mit einem Familiensonntag gestartet, also einen Familiengottesdienst mit anschlie\u00dfendem Picknick, wo besonders Familienkindern eingeladen sind. Und das war jetzt die ersten Male sehr, sehr gut besucht, hat auf eine gro\u00dfe Resonanz getroffen und das wird sicher weitergehen auch nach der Sommerpause. Ja, das sind mal so die ersten kleinen Fr\u00fcchte.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Mit was f\u00fcr Herausforderungen und Entwicklung besch\u00e4ftigt ihr euch aktuell im Emmanuel Haus? Gibt es da irgendwas, wo du sagst, das sind bestimmte Projekte, auf die ich gerade sehr meinen Fokus lege? Was gibt es da so f\u00fcr Entwicklungen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Also eine Herausforderung, die den gesamten Rahmen betrifft, die uns besch\u00e4ftigt von Anfang an, ist, dass wir noch keinen eigenen Ort haben in dieser Stadt. Wir haben also keinen Haus, keine Kirche, die uns geh\u00f6ren w\u00fcrde, in dem Sinne, dass wir sie v\u00f6llig eigenst\u00e4ndig bespielen k\u00f6nnten, so wie wir wollen, sondern wir sind zu Gast in einer Kirche, einer Pfarrei und mieten uns zum Teil in H\u00e4user ein, auch manchmal bewusst in nicht-kirchliche, in Caf\u00e9s oder so Mieten, die f\u00fcr ein Abendprogramm, das ist eine Herausforderung, die Frage, wie soll das auf Dauer sein? Geht das ohne eigene Location oder welche Rolle w\u00fcrde das spielen f\u00fcr einen Gemeindeaufbau?<br>Ja, das ist zum Beispiel ein Thema, was uns besch\u00e4ftigt. Es besch\u00e4ftigt uns im Team, auch je mehr jetzt w\u00e4chst und entsteht, umso mehr braucht es Manpower, die das tr\u00e4gt. Das Verh\u00e4ltnis von Vollzeitkr\u00e4ften zu denen, die das in ihrer Freizeit machen, zum Teil ja mit Familie, mit kleinen Kindern und Job noch am Abend, nach einem vollen Tag, sich um so ein Projekt k\u00fcmmern. Wie wird das auf Dauer gehen?<br>Wer wird das weiter tragen k\u00f6nnen, was entsteht. Das kann nicht auf Dauer auf sieben Schulterpaaren liegen, sondern das merken wir jetzt schon. Es braucht mehr Leute, die das mitgestalten, mittragen, die ausgebildet werden daf\u00fcr. Auch die vielen Ehrenamtlichen. Ich spreche lieber von Freiwilligen als von Ehrenamtlichen, die dann auch einzelne Projekte leiten und \u00fcbernehmen. Wie geht das in der Freizeit? Und wie k\u00f6nnen wir sie begleiten und Formen und Schulen, dass sie auch das im Sinne der gemeinsamen Vision tun. Das ist zum Beispiel eine gro\u00dfe weitere Herausforderung. Also nat\u00fcrlich das Beschaffen von Finanzmitteln ist auch eine gro\u00dfe Herausforderung, weil wir eben nicht wie eine Pfarrei einen Jahreshaushalt zugewiesen bekommen aus dem gro\u00dfen Kirchensteuermitteltopf, sondern wir m\u00fcssen uns zum \u00fcberwiegenden Teil selber um unsere Finanzen k\u00fcmmern. Wir bekommen einen kleinen Teil von einem kleinen Zuschuss vom Bistum und meine Stelle als Priester wird finanziert. Alles andere, was wir an Programmen machen oder vielleicht an zus\u00e4tzlichen Arbeitskr\u00e4ften auch haben wollen, m\u00fcssen wir selber besorgen. So ist es zumindest bis jetzt. Das muss ja nicht so bleiben. Das ist eine Herausforderung, da immer weiter im Vertrauen zu gehen. Wenn davon auch Geh\u00e4lter bezahlt werden, ist es halt, manchmal kommt dann das Geld ans Ende. Aber es muss eigentlich noch weiter ja auch Gehalt bezahlt werden. Das haben wir schon mehrfach erlebt, dass wir angewiesen sind, wirklich auf die Vorsehung Gottes, dass er dann auch im richtigen Moment Menschen uns \u00fcber den Weg f\u00fchrt, die bereit sind, Geld zu geben. Und das ist bisher tats\u00e4chlich an vielen Stellen auf ganz sch\u00f6ne Weise passiert.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Was f\u00fcr Tipps w\u00fcrdest du Leuten geben, die sich jetzt nun n\u00e4her mit Gemeindegr\u00fcndungen besch\u00e4ftigen wollen? Sich lohnt irgendwelche Lernerfahrungen zu machen oder Medien oder sonst was. Was sind solche Tipps, wo du sagst, ah, da lohnt es sich vielleicht hinzuschauen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Also aus der eigenen Erfahrung w\u00fcrde ich sagen, was sich immer lohnt, ist rumzureisen und sich andere Gemeindegr\u00fcndungen anzuschauen. Weil da bekommt man Inspiration und Ideen und muss dann nat\u00fcrlich immer den \u00dcbertrag auf die eigene Situation schauen. Man kann, wie hat es der Christian Henneke, der ja, glaube ich, auch schon mal im Podcast war, so sch\u00f6n gesagt, es geht nicht darum, Ideen zu kopieren, sondern zu kapieren, was sie machen und sie dann zu \u00fcbersetzen in den eigenen Kontext. Aber da gibt ja das Rumreisen und das Anschauen, was machen andere immer ganz viele Ideen.<br>Das w\u00fcrde ich empfehlen. Ich w\u00fcrde empfehlen, wenn jemand jetzt, der irgendwie im pastoralen Dienst ist oder als junger Kaplan, den Mut zu haben, \u00fcberhaupt mal auf das zu h\u00f6ren, was sich innerlich meldet. Also wenn ich auf Dauer in dem Dienst, den ich tun soll, einen Widerstand sp\u00fcre oder merke, das bekommt etwas so Bedr\u00fcckendes, dass meine Freude an meinem Dienst verloren geht, dann finde ich, sind das Alarmsignale. Dann sollte man das Gespr\u00e4ch suchen und \u00fcberhaupt mal sich die Zeit nehmen, hinzusp\u00fcren, was meldet sich denn da in mir und k\u00f6nnte da vielleicht auch einen Ruf drinstecken, dem ich folgen soll. Also so w\u00fcrde ich das f\u00fcr mich beschreiben. Das war ja ein Prozess, das war nicht von jetzt auf gleich. Und das muss auch gar nicht f\u00fcr alle so sein, aber wenn jemand so diese Signale wahrnimmt, dann den Mut zu haben, dem zu folgen, das w\u00fcrde ich sagen, Ja, und dann einfach immer ausprobieren. Den Mut haben, auszuprobieren und etwas, was, wenn man merkt, es geht so nicht, dann l\u00e4sst man es und probiert was anderes. Trial and Error. Ich glaube, so f\u00fchrt Gott auch durchs Leben. Wir probieren was aus und entweder er er\u00f6ffnet Wege oder wir streuen Saat aus und an manchen Stellen geht was auf und an manchen Stellen nicht. Und da, wo es aufgeht, kann ich weitermachen. Wir denken ja oft andersrum in der pastoralen Struktur. Da ist alles da und wir versuchen es zu f\u00fcllen und merken, das wird immer schwerer, weil immer weniger Leute da sind. Und das wird immer belastender f\u00fcr die, die da sind. Und da andersrum zu denken, also was bringt jemand vielleicht f\u00fcr eine Begabung mit und mit dem etwas auszuprobieren?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ja, sehr sch\u00f6n. Ganz herzlichen Dank, lieber Martin, dass ich heute bei dir sein durfte bei euch beim Emmanuel-Haus und wirklich sehr inspirierende Gedanken f\u00fcr mich. Vielen Dank dir f\u00fcr heute.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Gerne.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Liebe Zuh\u00f6rer, sch\u00f6n, dass ihr, sch\u00f6n, dass du heute wieder mit dabei warst. Danke f\u00fcrs Zuh\u00f6ren und ich freue mich aufs n\u00e4chste Mal. Bis dahin, schreib uns gerne dein Feedback, deine Fragen, deine Empfehlungen und W\u00fcnsche, einfach alles an podcast@gemeinde-pflanzen.net. Schau auch gerne auf unserer Internetseite vorbei. 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